Die brennende Sonne lockte uns heute schon etwas früher aus dem Zelt. Nach einer Nacht, in der man tief in seinen Schlafsack kroch, streckte ich nun den heißen Sack weit von mir. Wir merkten schnell, dass uns dieser Tag noch einmal alles abverlangen würde. 24 Grad Schatten und 30 Grad im der prallen Sonne ließen mir keine andere Wahl, als mir mein kleines Handtuch um den Kopf zu wickeln und ein Cap drüber anzuziehen.

Da uns auf dem Weg ständig Radfahrer entgegen kam (wir haben, außer in Orten, keine Füßgänger und Wanderer getroffen!!), testen wir noch einmal das Spiel mit dem „Moin“-sagen. Dabei viel uns nach einiger Zeit auf, dass nicht mehr zurück-gemoint wurde, sondern ein einfaches „Hallo“ oder „guten Tag“ zurück kam. Wir hatten offiziell die Moin-Grenze überschritten. Egal wen wir grüßten, es kam einfach nicht mehr das erhoffte gegen-Moin. Eine Frau war sogar so erstaunt, dass sie uns um 14 Uhr mit „Morgen“ erwiderte. Sie schien das Moin wohl nicht zu kennen und wusste sich nicht anders zu helfen.


Dann war es endlich soweit. Ihn Fuhrberg erreichten wir auf den Schildern die „Region Hannover“. Die Regionen Kreis Harburg, Heidekreis und Kreis Celle hatten wir ja bereits hinter uns gelassen. In Fuhrberg suchten wir dann wieder einmal nach Wasser. Leider waren die angezeigten Flüße in dem Dorf bereits alle ausgetrocknet und führten kein Wasser. Bei einer netten Familie konnten wir dann jedoch noch im Garten unsere Flaschen auffüllen und weiterziehen. Wir waren sogar schon soweit, dass wir überlegt hatten bei einem Café (das natürlich geschlossen war) das Wasser aus den Blumenvasen zu pumpen und zu reinigen. So war es dann wohl doch besser.


Noch einmal überquerten wir die A7 und durchstreiften kleine Felderwege, die sich schnurr gerade durch die Landschaft zogen.

Soeben haben wir unser Lager in Langenhagen (Vorort von Hanover) bezogen. Nach 160km werden wir morgen in die Stadt fahren und vom Hauptbahnhof bis Marburg mit dem ICE. Dann verbringen wir noch ein paar Tage im Sauerland, bis es zum krönenden Abschluss am 28.07 in den Schwarzwald geht. Auf der Tour haben wir es geschafft jeden Tag über eine Woche mindestens 20km pro Tag zurück zulegen. Der völlig untrainierte Körper hat sich dabei Schritt für Schritt an die Belastungen angepasst. Vom blutigen Schritt, gleich am Anfang der Tour, ist nur noch wenig zu sehen und die Haut in dem Bereich umso kräftiger. Füße und Zehen haben sich an die Belastungen über die Tage hin weg gewöhnt und nur noch ab und zu geschmerzt. Durch das andauernde Gewicht auf die Knie fingen diese zum Schluß an zu Schmerzen.

Wir haben uns nicht aus gesundheitlichen Gründen entschieden hier in Hannover in den Zug zu steigen, sondern grade weil wir noch ein paar erholsame Tage in unserem Urlaub erleben. Ich denke es ist bewiesen, dass sich der Körper auf selbst die extremsten Herausforderungen einstellen kann. Nach schmerzhaften Tagen, hat man dafür nach 1 Woche ein funktionierendes Instrument, das selbst täglich 20km über Nacht wegstecken kann, ohne das man von nennenswerten Muskelkater oder sonstigen Problemen sprechen kann.

Ich kann jedem nur empfehlen seinen Körper einmal so kennenzulernen, denn es steigert die bewusste Hochachtung nach diesem komplexen Gebilde umso mehr.

Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Stucken-Mühlen-Weg,Langenhagen,Deutschland


Wie gestern Abend schon berichtet ist uns das Trinkwasser ausgegangen. Der kleine Fluß auf freiem Feld ließ gestern Abend keine Pumpung zu. Bei gefühlten 30 Grad erwachten wir nach einer arktisch kalten Nacht plötzlich in einer Savanensteppe. Kein Wasser, eine trockne Kehle und keine Trinkwassergelegenheit in unmittelbarer Nähe. Wir waren gezwungen früh aufzubrechen und einen Umweg zu nehmen.


Auch wenn es nicht danach aussieht, aber dies war dann der direkte Weg Richtung Hannover. Über große Äste und hohes Gras der Wasserstelle entgegen. Doch leider entpuppte sich der angepeilte große See als das Privatgrundstück einer Tagungsgesellschaft. Also weitere 2,5km laufen. Der örtliche Teich von Walle, normalerweise eher ein Tümpel, diente uns dann zum anpumpen von Trinkwasser. Ein Frosch schaute auch kurz vorbei und setzte sich auf unseren Pumpschlauch. Das Wasser war nach ausgiebiger Filterung aber wunderbar.

Dann hieß es die verlorene Zeit wieder aufholen. Der Himmel zog sich immer wieder ein Stückchen zu, sodass das Wandern leichter viel. Nach einiger Zeit erreichten wir dann Winsen an der Aller. Ich persönlich mag es nicht durch größere Städte zu laufen, da man immer von allen Seiten beguckt wird. Frei laufen ist dann nicht. Man steht quasi unter ständiger Beobachtung. Da ist man dann froh, wenn man die Stadt wieder verlässt und Wald abtauchen kann.

Kurz vor unserer Nachtlagerstelle hielt uns dann ein Auto an und wir wurden ganz begeistert gefragt, wo wir denn her kämen und was noch vor uns lag. Ein Ehepaar mit Hund im Wagen schaute uns aus ihrem Jeep ganz interessiert an und wollten uns sogar zu sich zum Essen einladen. Da wir aber noch unser Tagespensum schaffen wollten, mussten wir leider ablehnen.


Dafür gab es dann aber an unserem Nachtplatz echte Zelt-Bratkartoffeln mit Speck. Wieder ein Tütenessen, dieses Mal aber aufwändiger in der Zubereitung. Es musste extra Fett vorher angebraten werden und die Kartoffeln in der Tüte vorgaren.


Während des Essens gab es dann eben noch ein wunderschönen Ausblick aus unserem Zelt, wobei uns auffiel wie spürbar schnell die Temperaturen auf nur noch 10 Grad gefallen sind. Schnell in den Schlafsack jetzt, den Rücken entlastet und die richtige Schlafposition auf 0,5qm finden. So müssen sich Astronauten fühlen. Es muss jeder Handgriff sitzen. Und schon ist es dunkel draußen und es knackt und knirscht um unser Zelt herum.

Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Am Oberfeld,Wietze,Deutschland


Ich muss mich echt wundern, dass wir den gesamten Trip über kaum Hunger verspüren. So auch heute morgen. Um Gewicht zu verlieren habe ich mich dann doch für mein Astronauten-Müsli entschieden. Schon interessant zu sehen, wie das eingeschüttete Wasser zu Milch wird.

Die ersten Schritte aus dem Zelt sind dann komisch. Ich erwarte von Schmerzen begrüßt zu werden, es kommt aber nichts. Gestern Abend noch konnte ich mir ein Weitergehen nicht vorstellen, viel zu groß waren die Fußschmerzen und leichte Probleme im Knie. Aber heute ist da nichts, auch die nächsten Kilometer nicht. Der Rücken macht mit und die Blasenpflaster lassen mich über den Asphalt sausen. Irgendwie ungewohnt, als wäre es so nicht richtig. Der Körper scheint sich wohl etwas umgestellt zu haben.


Munster Süd vor uns durchqueren wir wieder ein Militärübungsgelände. Nicht das wir einfach dort durchlaufen, aber eine zivile Straße führt uns direkt durch die Schießgebiete links und rechts von uns. Autos Hupen und winken uns zu, man ist hier wohl Maschierende in Militärlook gewohnt. Ein Schild verrät uns dann, dass wir vom Heidelandkreis und den Kreis Celle gelangt sind. Wieder ein Stück geschafft.

Bergen liegt vor uns. Uns kommen viele gelbe Nummernschilder entgegen. Jedes dritte Auto scheint hier Britisch zu sein. Wir durchlaufen Bergens Vororte und hören spielende Kinder die Englisch reden. Etwas abgedreht das ganze. Würde man hier jemanden rauslassen, nur die Straßenschilder würden ihm verraten in welchem Land er gerade ist.


Aus Bergen raus beginnen die Füße dann wieder zu schmerzen.
Noch einmal auf die Zähne beißen heißt es. Links und rechts von uns überall Windräder. Genauso gleichmäßig wie die Dinger versuche ich meine Schrittfolge zu halten. Es geht nicht! Etwas unsynchron und eckig laufen wir dann noch die letzten Kilometer weiter. Jetzt heißt es wieder einmal nur noch durchhalten.


Als wir an eine Lichtung kommen haben wir unseren Schlaflatz gefunden. Denken wir zumindest, denn beim Zeltaufbau kommt ein Auto den Feldweg entlang gefahren. Wir rechnen damit vertrieben zu werden. Doch sagt uns der Freundliche Herr nur, dass es besser sei 300m entfernt zu campen, da an dieser Stelle nachts öfters Wildschweine aus dem Maisfeld stürmen. Wir bedanken uns und stapfen weiter durch das hohe Gras. Das Zelt ist dann schnell aufgebaut. Die einzige Enttäuschung ist, dass der kleine Kanal auf dem Feld nur matschiges Ekelwasser führt, gegen das selbst unsere Filterpumpe verstopft kapituliert. Mit letzten Reserven kochen wir gerade unser Abendessen. „Jägertopf“ passend zur Umgebung.

Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Burgweg,,Deutschland


Kann man es sich vorstellen: Endlich mal ein Sommertag ganz ohne Regen. Gleich zu Beginn des Tages musste ich mich von einem Teil meiner Essensvorräte, der Gasflasche und Elektrolytpulver trennen. Wie am Vortrag bereits angesprochen, war mein Gepäck einfach zu schwer und somit war der Schritt unumwendbar. Nur so konnte ich weiter marschieren. Die ersten 6km mit neuem Gewicht hinter mir verliefen auch dementsprechend schnell und reibungslos. Dann kamen wir in der Nähe von Munster in ein Bundeswehr-Übungsgebiet. Xavier war gleich Feuer und Flamme und stimmte das Panzerlied an.


Die Straße die auf dem Foto zu sehen ist ging dann noch weitere 8km schnur gerade aus. Eintönig und langweilig für uns und zudem fingen die Füße aufgrund des ständigen Laufens auf Asphaltboden wieder an zu schmerzen. Xavier wurde über weite Abschnitte von Bremsen verfolgt, die sich unter seinem Hut zu verstecken versuchten.
Selbst bei unsere Rast und mit Einsatz von chemischen Kampfstoffen wurde er weiterhin attackiert.


Als wir dann gegen Ende des Tages, bei dem Versuch unsere Trinkwasservorräte an einem Bach aufzufüllen, auf das Schild “ Vorsicht Düker“ stießen, mussten wir erst einmal googlen, um heraus zu finden, ob wir hier aufpassen mussten. Wie sich heraus stellte lebte an diesem Bach kein Menschen fressendes Wesen, sondern es war nur eine unterirdische Leitung gemeint (wieder was gelernt).


Auf den letzten Kilometern musste dann noch mal auf die Zähne gebissen werden, denn die Füße schmerzten jetzt sehr. An einem kleinen Fluß etwas abseits der Landstraße konnten wir noch gerade rechtzeitig das Zelt aufbauen und unsere Wunden versorgen.
Zum Abschluß hier noch ein kleines Foto von Xaviers Hackenbereich. Gut das es Blasenpflaster gibt!!


Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Hauptstraße,Wietzendorf,Deutschland


Schon eigenartig womit man sich ein ganzen Tag beschäftigen kann. Als Wander erst einmal mit den unmittelbaren Sachen um einen herum. Da war zum einen der Regen, der bis 12 Uhr Mittags gegen unser „Bundeswehr-Sommerzelt“ klatschte und nicht aufhören wollte. Schön das wir in so einem Fall in einem Zelt saßen, durch das jeder vierte Regentropfen kam.

Alleine das Schuhanziehen dauert mit Stiefeln und Socken in so einer Situation 10min. und ein Zeltabbau im Regen noch länger.

Dann endlich, Regencapes über und los. Die Beine schwer vom Vortrag und die Blasen drücken von allen Seiten. Nach 1km hat man sich dann wieder eingelaufen. Die Füße ab hier nicht mehr zu spüren. Ein gutes Zeichen, denn die würden sich schon früher oder später schmerzlich melden. Schon merkwürdig hinter einem Armee-Cape zu laufen.


Vorbei an Autobahnbrücken, Maisfeldern und kleinen Ortschaften, in denen man uns freundlich grüßte, erwischte uns vom Zeit zu Zeit ein weiterer Regenschauer.

Mit der Zeit machte sich langsam das zu schwere Gepäck bei mir bemerkbar. Meter um Meter viel ich hinter Xavier zurück. Es ist ein Zustand des konstanten Gehen, obwohl man nicht mehr kann. Aber je weniger man bei der Sache ist, desto weiter tragen sich die Füße wie von selbst. Man verschwindet selber und lässt machen.

Verschärft wurde die Lage dann nach unserem Wasserholen. Dazu benutzen wir eine Schweizer Filterpumpe, die uns das Bachwasser reinigt und in unsere Behälter pumpt. Plötzlich nochmal 3kg mehr, obwohl man vorher schon nicht mehr konnte. 28kg und die Moral am Boden.
Nochmal durchhalten, in der Ferne sehen wir neben uns den Snowpark in Bispingen.


Dann Rucksackwechsel, die letzten Kilometer trage ich nur noch 22kg und bin erleichtert. An der der Einfahrt zum Center Park bleibt Xavier stehen und sieht im Wald rechts davon eine kleine Lichtung. Das Lager für die heutige Nacht ist gefunden. Der Untergrund weich mit Moos, das Essen dafür wie ausge&€@! Rührei soll es sein. Die Konsistenz erinnert an Suppe.

Schnell noch einmal den Gaskocher ins Zelt gehalten, um nachher trocken zu liegen, die Handyakkus geladen und schon zieht auch schon die Dunkelheit über unseren Wald. Genießt euer Bett, das Essen und die Fahrt mit dem Auto. Genau davon werde ich heute nach träumen.

Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Töpinger Straße,Bispingen,Deutschland


Ich weiß gar nicht wo ich heute anfangen soll. Zuerst einmal: Wir haben tatsächlich die geforderten 30 Kilometer heute absolviert. Nachteil an der Sache: Ich hab mir meinen Schritt komplett blutig gelaufen.


Falls die Frage auftreten sollte: „JA, ES TUT AUCH GENAUSO WEH“. Zum Glück konnten wir einen Budnikowski finden, bei dem ich mir mit Servierten, Sacrotan und Babypuder gleich im Eingang ein Feldlazarett aufbaute.

Um die Geschichte ganz zu erzählen, ich wusste schon nach einigen Kilometern, dass dort was drückte. Erst viel später griff ich mir beherzt in die Hose um einmal nachzusehen und kam mit einer blutigen Hand wieder hervor. Zum großen Vergnügen von Xavier, der mich daraufhin fragte, ob ich denn meine Regel hätte. Etwas geschickt folgte dann die oben aufgeführte Not-OP im Eingang von Budnikowski.
Der Fehler, der wohl zu dieser Sauerei geführt hat, war wohl das Mehl das ich mir zur Linderung der Wunden Stellen in die Hose getan habe. Jetzt war es nur noch eine klumpige Masse aus Blut, Schweiß und Mehl. Jetzt hab ich dafür Babypuder und euch rate ich niemals als Ersatz nur an Mehl dafür zu denken.

Aber auch Xavier plagten Schmerzen. Seine linke Achillessehne began mehr und mehr zu schmerzen. Das Gepäck brachte den Rücken und Gelenke eh ans Maximum. Mittlerweile befanden wir uns an den Anfängen der Lüneburger Heide.
Jeder Meter wurde nun zur Qual. Die Blasen des Vortags meldeten sich wieder und begangen spürbar größer zu werden. Es schien als ginge man auf einer Schicht Polsterfolie.

Über einen alten Postweg, der den Flair längst vergangener Zeiten wieder aufkommen ließ, gingen wir schleppend dem Etappenziel entgegen. Auf dem Navi suchten wir bereits nach Stunden nach der geeigneten Wasserstelle. Und wir sollten sie auch finden. Sogleich hielten wir den Wasserfilter in den Bach und pumpten 3 Liter gefiltertes Frischwasser an.

Da wir uns in einem Naturschutzgebiet befinden, indem Campen nicht erlaubt ist, müssten wir uns in den Wald an den Rand eines Ufers hier schleichen und vorsichtig unser Zelt aufschlagen. Sogleich führte mir Xavier seinen Fuß vor, der eigentlich meinem eigenen gleicht.


Etwas wie der Fuß einer alten Frau;) Naja, Xavier wollte nicht mal mehr etwas essen und verkroch sich sogleich in seinem Schlafsack. Erste Beschwerde: „E meine scheiß Isomatte ist kaputt. Die verliert Luft, ahhhh son Mist.“ Trotzdem schläft er nah 30 Kilometern Marsch grad friedlich neben mir im Zelt. Eine herannahende Gewitterfront kündigt Regen an. Mal sehen, ob ich morgen berichten kann, dass das Zelt gehalten hat.

Liebe Grüße von unterwegs,
Euer Chris

Position:Zur Sudermühle,Egestorf,Deutschland


Nur einen Tag nach meinen Grippebeschwerden ging es mir heute schon wieder so gut, dass wir uns entschlossen einen ersten Belastungslauf vom Alstertal bis Wilhelmsburg zu unternehmen. Insgesamt 23km lagen vor uns bei besten Bedingungen. 20 Grad Aussentemperatur bei leicht bewölktem aber zeitweise sonnigem Himmel. Die Strecke entsprach der Ursprungsroute, die eigentlich für Montag vorgesehen war. Somit haben wir bis jetzt nur einen Tag durch die Krankheit verloren und ich konnte austesten wie mein Körper auf die Belastung reagieren würde.

Auf den ersten 10km waren bis auf ein paar Kleinigkeiten keinerlei Beschwerden zu notieren. Naja, Xavier verzog ein oder zwei Mal in der Region um Bramfeld sein Gesicht, nachdem sein Knöchel ein paar komische Geräusche von sich gab. Nach wenigen Minuten hatten wir aber wieder Tempo aufgenommen und konnten die nächsten Kilometer ohne weitere Vorkommnisse bestreiten.

In der Nähe der Uhlandstraße kehrten wir dann kurz in die Hohenfelder Apotheke ein, denn Xavier wollte sich für die bevorstehende Tour noch ein paar Ergänzungsmittel und ein paar gute Ratschläge von einem Apotheker holen. Magnesium, Blasenpflaster, Sonnencremé (für 12,-€!!) und Calcium wurden ihm empfohlen…wobei es Xavier bis zum Ende des Tages weiterhin beschäftigt hat, wofür er denn bitte noch Calcium bräuchte. Die Aufschrift „in der Schwangerschaft und für Kinder“ hatte ihn stutzig gemacht. Sollte man vielleicht mal googlen…naja;) Auf jeden Fall ging er mit 28,-€ weniger aus der Apotheke, was schon echt ein stolzer Preis war.

Die Elbbrücken in Sicht stellten sich jetzt erste Beschwerden ein. Leichte Fußschmerzen durch die ungewohnte Bewegung und ein verdächtiges Scheuern an der Innenseite der Schuhe zwangen uns zu einer ersten Pause kurz nach den Elbbrücken. Ab hier wurde es auch nicht mehr besser. Jeder zusätzliche Meter brachte weitere Schmerzen. 19km waren wir bis hierhin gegangen und es wäre wohl besser gewesen hier bereits mit dem Marsch aufzuhören, das Ziel war jedoch Wilhelmsburg. So ging es durch Rothenburgsort und die Veddel. Nicht grade die schönsten Stadtteile, wo der eine durch Industrie + LKW-Verkehr und der Andere durch Assis und Müll nicht gerade motivierend wirkte.


Wilhelsburg in Sicht war es dann klar: Wir hatten uns beide jeder einen „Wolf gelaufen“…beißt wie einer und schlägt genauso heimtükisch zu. Für die, die es genau wissen wollen…es reibt im Schritt, wird wund und lässt einen wie mit einer vollen Hose durch die Gegend laufen. Demotivierend sind zudem lange, unendlich scheinende Straßen die ins Nichts zu laufen scheinen. Bis kurz vor die IGS-Baustelle (Internationale Gartenschau 2013) führte eben eine von diesen langen und anstrengenden Graden. Einige Meter und Treppen noch und schon saßen wir auch schon wieder in der S-Bahn von Wilhelmsburg in Richtung Hauptbahnhof und zu Hause.

Der Plan ist jetzt morgen aus dem Alstertal nach Moorfleet zu laufen, uns die dann bereits gelaufenen Kilometer anzurechnen, um uns ausserhalb von Hamburg per Auto an der richtigen Kilometergrenze abzusetzen. So können wir hoffentlich den verstrichenen Krankheitstag etwas kompensieren ohne schummeln zu müssen.

Achja, ich sollte zu guter Letzt nocheinmal die Bilanz des Tages zusammen fassen: Christian-> 3 Blasen (2x links, 1x rechts), Xavier-> 2 Blasen (gleichmässig links und rechts).
Nicht grade (zusammen mit dem gelaufenen Wolf) eine gute Ausgangslage für morgen…ich hab mir jetzt bereits schon eine Tasse Mehl in den Schritt gekippt. Laut Internet die beste Lösung und ich muss sagen keine Schlechte! Gegen die Blasen wurde folgendes unternommen: Aufstechen mit einer Nadel, Whisky zum desinfizieren und Blasenpflaster zur Druckentlastung. Morgen gehts weiter…keine Ahnung wie, aber jetzt müssen wir dadurch!


16Jul

Fehlstart

Eigentlich hätte ich gedacht, dass ich nach den ersten 4 Stunden etwas besseres hätte berichten können. Leider aber musste der Start jetzt um 2 Tage verschoben werden. Grund: Seit heute morgen liege ich mit einer schweren Erkältung und Fieber im Bett, was mich persönlich unendlich ärgert. Erste Halsschmerzen waren schon gestern die Vorboten eines drohenden Abbruchs. Der Start ist jetzt auf Mittwoch, 18. Juli um 10:00 Uhr vorschoben worden. Vielleicht hat ja Jemand ein super Hausmittel gegen Erkältung, ich probier es gerne aus!


…geht das denn überhaupt? Eine sehr gute Frage, zumal man für eine solche Distanz einiges an Ausrüstung, Nahrung und Technik zusätzlich mit sich tragen muss. Insgesamt 28kg werde ich über 360km auf meinem Rücken tragen müssen. Bis jetzt hab ich den Rucksack nur ein einziges Mal über ein oder zwei Kilometer zu Testzwecken auf gehabt. Das V2-Tragesystem mit Metalstreben kompensiert schon einiges an Kilos und verteilt sie sehr gut auf den gesamten Rücken und meine Hüften, aber man fühlt sich sehr träge und die Knie müssen es so oder so bewegen.

Was da alles so drin ist? Nun, zunächst hab ich mich für eine ausreichende Menge an Trekking-Essen entschieden (so ein wenig zwischen Astronautennahrung und Tütensuppen einzuordnen). Dann alleine 3kg Elektrolytpulver zum mischen mit Wasser, was für eine bessere Versorgung über den Tag hinweg sorgen soll. Ein Solarpanel mit Akku, was uns ermöglicht autark ohne Stromversorgung Handy und Kameraakkus zu laden. Ein Bundeswehr-Kochgeschirr mit Gaskocher für kulinarisch anspruchsvolle Abendessen. Ein bisschen überflüssig dürfte dann wohl die 40l Dusche aus leichtem Plastik sein. Eigentlich ein einfacher schwarzer Sack, der an einen Baum gehängt, sich von selbst nur durch die Kraft der Sonnenstrahlen erhitzt und uns dann über einen kleinen Schlauch mit warmen Wasser versorgt. Da bin ich im Moment noch etwas skeptisch, werde aber objektiv darüber in den nächsten Wochen berichten.Des weiteren einen Wasserfilter (zur Aufbereitung von Fluss und Seewasser unterwegs), leichte Kleidung, ein Regenponcho, ein Erste-Hilfe-Set, Tabak, Energieriegel, ein Hygienebeutel (Zahnbürste, Deo, Seife, Shampoo usw.) und vorallem Dosen-Schwarzbrot! Die Isomatte (in blau) und mein Schlafsack muss ich dann per Trägersystem von aussen an den Rucksack befestigen. In den kommenden Tagen werde ich das ganze Konstrukt noch einmal testen und perfekt ausbalancieren, denn nichts ist schlimmer als ein schiefer Rucksack. Hausaufgaben sind wie ihr seht alle gemacht, jetzt geht es beim Equipment nur noch um das Finetuning. Montag geht es dann los, seid gespannt!

360 km, insgesamt 14 Tage lang durch Deutschland. Genauer gesagt von Hamburg ins Sauerland: So sieht unsere Unternehmung aus, die uns in acht Tagen erwarten wird. Wir, dass sind Xavier und ich. Für Alle die ihn nicht kennen hier wohl eins der letzten ausgelassenen Bilder von ihm.


Das Equipment ist bereits verstaut die nötigen Vorbereitungen sind getroffen. Mit Spannung und ein wenig mulmigem Gefühl im Bauch erwarte ich die Tour die uns quer durch Deutschland führen wird. Ich werde jeden Tag von unseren Erlebnissen, der körperlichen Befindlichkeit, der Qual aber auch den schönen Dingen berichten. Ihr könnt uns interaktiv unterwegs begleiten, Fragen stellen oder einfach besserwisserisch Tipps geben. Bleibt dabei, als nächstes stell ich unser Equipment vor…